Der Weg in den Ersten Weltkrieg

Die "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts

Deutschland und Österreich-Ungarn auf der einen und die "Entente" auf der anderen Seite stolperten im Sommer 1914 in den bis dahin schlimmsten Krieg der Welrgeschichte.

1. August 1914 - Die Stimmung in Deutschland ist zum Zerreißen gespannt. In Berlin hat sich vor dem Schloss eine große Menschenmenge versammelt, um auf neueste Nachrichten zu warten. Am Nachmittag ist es schließlich so weit: Ein Schutzmann tritt heraus und verkündet, dass Kaiser Wilhelm II. die allgemeine Mobilmachung befohlen habe. Aus heutiger Sicht kaum glaublich: Es war, als wäre ein Alpdruck von den Menschen gefallen. Jubel brandete auf, Glocken wurden geläutet, Choräle gesungen.

Doch nicht überall herrschte jene Kriegsbegeisterung, die später zum Mythos aufgeblasen wurde. In den Arbeitervierteln und auf dem Land hielt sich die Stimmung eher in Grenzen – kein Jubel, keine Begeisterung, eher Unsicherheit und Angst vor dem Ungewissen. Wer sollte für die Familien sorgen, wenn der Vater, Sohn, Ehemann eingezogen wurde? Und auch in den anderen Krieg führenden Ländern herrschte eine merkwürdige Mischung aus Beklommenheit und Erleichterung darüber, dass die lähmenden Wochen der Ungewissheit endlich vorbei waren. Einig waren sich die Völker in ihrer Überzeugung, dass ihr eigenes Land den Krieg innerhalb weniger Wochen für sich entscheiden würde. Am Ende sollten es vier lange Jahre voller Entbehrungen und Trauer werden. Was war im Sommer 1914 geschehen?

Wege in den Krieg

Wollte das Deutsche Reich den Krieg? Die Frage, wer Schuld am Kriegsausbruch hatte, entzweite schon die Zeitgenossen, war im Verlauf des Krieges und danach immer wieder Gegenstand heftiger politischer und später auch wissenschaftlicher Debatten und ist bis heute umstritten. Aus dem Abstand von mehr als 90 Jahren ist eine eindeutige Schuldzuweisung nicht möglich. Es waren vielmehr zahlreiche Faktoren und Akteure, die Europa und die Welt in den Ersten Weltkrieg trieben.

Das Bündnisgeflecht zwischen den europäischen Großmächten am Vorabend des Krieges war kompliziert: Auf der einen Seite gab es seit 1882 den „Dreibund“ zwischen Österreich-Ungarn, Deutschland und Italien, das allerdings unmittelbar nach Kriegsausbruch am 3. August 1914 seine Neutralität erklärte. Dem Dreibund gegenüber stand seit 1904 die „Entente Cordiale“ bestehend aus Großbritannien und Frankreich, die 1907 durch ein Abkommen zwischen Großbritannien und Russland zur „Tripel-Entente“ wurde. Spätestens jetzt sah sich Deutschland von Feinden eingekreist und verstärkte seine Rüstungsanstrengungen. Darauf reagierten die Alliierten der „Tripel-Entente“ mit einer weiteren Verstärkung ihrer Armeen. Die europäischen Mächte befanden sich in einem Teufelskreis, der die Kriegsgefahr von Jahr zu Jahr steigerte.

Sarajevo und die Folgen

Im Sommer 1914 überschlugen sich dann die Ereignisse. Am 28. Juni ermordete der bosnisch-serbische Student Gavrilo Princip den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Frau Sophie in Sarajevo. Der Nationalist wollte mit seiner Tat die Herrschaft Habsburgs über seine Heimat beenden und die Vereinigung aller Südslawen unter serbischer Führung erreichen – und setzte mit seinen Schüssen eine fatale Kettenreaktion in Gang. Der Juli 1914 war gekennzeichnet von hektischen, aber letztlich vergeblichen diplomatischen Aktivitäten der europäischen Großmächte. Österreich machte Serbien für den Mord verantwortlich und war entschlossen, an dem kleinen Nachbarland ein Exempel zu statuieren. Der überforderte deutsche Kaiser Wilhelm II. sicherte dem österreichischen Außenminister Graf von Hoyos rückhaltlose Unterstützung zu: Deutschland würde ohne Wenn und Aber seinem Verbündeten militärisch helfen. Über die fatalen Konsequenzen dieses „Blankoschecks“ war sich der Hohenzollernfürst vermutlich gar nicht bewusst.

Österreich-Ungarn stellte daraufhin Serbien ein befristetes, praktisch unannehmbares Ultimatum. Obwohl die serbische Regierung bis auf einen Punkt alle Forderungen erfüllen wollte, erfolgte am 28. Juli die Kriegserklärung durch das Habsburgerreich. Nur zwei Tage später erklärte Russland, traditionell Verbündeter Serbiens, die Generalmobilmachung seiner Truppen, was wiederum Deutschland dazu veranlasste, angesichts „drohender Kriegsgefahr“ dem Zarenreich am 1. August 1914 den Krieg zu erklären. Nun ging es Schlag auf Schlag: Frankreich und Deutschland mobilisierten ihre Armeen, Großbritannien seine Kriegsflotte. Deutsche Truppen marschierten in Luxemburg ein; das Kaiserreich verlangte vom neutralen Belgien die Erlaubnis zum Durchmarsch seiner Truppen, was die belgische Regierung ablehnte. Am 3. August erklärte Deutschland Frankreich den Krieg. Deutsche Truppen drangen in Belgien ein. Daraufhin brach Großbritannien seine diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reich ab und trat auf Seiten der Alliierten in den Krieg ein. Der „Große Krieg“ in Europa war nicht mehr aufzuhalten.

Jan Karitzky, Jan Karitzky

Jan Karitzky - Guten Tag, ich bin Texter und Historiker. Ich schreibe Werbetexte, Unternehmensdarstellungen, Unternehmensgeschichten, Beiträge ...

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